Volkskrankheit Demenz

Früh erkennen und reagieren

Demenz ist eine tückische Krankheit. Weil ihre ersten Anzeichen immer schleichend auftreten. Schon wieder was vergessen? Etwas nicht mehr so genau in Erinnerung? Wer möchte denn hier gleich Schlimmes vermuten. «Kann doch passieren, nicht weiter schlimm», so die gängige Reaktion. Viele Betroffene warten viel zu lange, bis Sie eine seriöse Abklärungen machen – stattdessen befassen sie sich damit, Strategien zu entwickeln um ihre Einschränkung nicht auffallen zu lassen. Einige wollen sich einer Diagnose auch ganz bewusst nicht stellen. Aus Angst, oft auch aus Scham. Dabei gibt es Arten von Demenz, die behandelbar sind, ja teilweise sogar als reversibel – also «heilbar» – gelten. Dies kann zum Beispiel bei Stoffwechselkrankheiten (etwa einer Schilddrüsenunterfunktion) oder bei einem Vitamin-B12-Mangel der Fall sein. Bei irreversiblen, also nicht rückgängig zu machenden Demenzformen ist das Gehirn jedoch direkt erkrankt. Die Alzheimer-Krankheit sowie die vaskuläre Demenz zählen hierzulande leider zu den am häufigsten verbreiteten und bislang medizinisch nicht heilbaren Demenzformen.

Was ist Demenz genau?
Demenz äussert sich durch eine Störung von mehreren Hirnleistungsbereichen. Diese Bereiche sind: Aufmerksamkeit, Sprache, Lernen und Gedächtnis, sogenannte Exekutivfunktionen (etwa Planen, abstraktes Denken, Einsatz von Strategien oder Problemlösung), Wahrnehmungsleistungen und Fähigkeiten der sozialen Interaktion. Die demenzbedingten Störungen schränken Betroffene in den Aktivitäten ihres täglichen Lebens und/oder des Berufs zusehends ein. Es ist deshalb wichtig, Warnzeichen ernst zu nehmen.

Folgende 10 Anzeichen können auf eine Demenz hinweisen:

1. Vergesslichkeit und Verwirrung
Den Geburtstag verpasst? Den Namen vergessen? Das passiert jedem mal. Nehmen Vergesslichkeit und Zustände der Verwirrung aber immer mehr zu, dann kann dies ein Warnzeichen sein.

2. Depression
Hier gilt es genau hinzuschauen: Die Depression kann bereits Teil der Demenzerkrankung sein oder vielleicht auch eine Vorstufe, in deren Verlauf kognitive Fähigkeiten verloren gehen, um dann in eine Demenz zu münden.

3. Aggressivität und Gereiztheit
Im Alter werden Menschen oft empfindlicher und wählerischer. Kippt jedoch die Persönlichkeit auffallend und bisher freundliche Menschen sind immer leichter reizbar bis streitsüchtig, sollten die Ursachen hinterfragt werden.

4. Persönlichkeitsveränderungen
Weitere Veränderungen der Persönlichkeit können jedoch auch in die andere Richtung tendieren: Oft sind vor allem betagte Menschen sehr müde. Sie werden vielleicht weinerlich oder ängstlich; manchmal kommt auch eine unerklärbare Unruhe hinzu.

5. Verlust des Geruchssinns
Wer plötzlich nichts mehr riecht oder den Geschmackssinn verliert, sollte sich Gewissheit über den Auslöser verschaffen. Demenz geht – wie beispielsweise auch die Parkinson-Krankheit – oft mit dem Verlust des Riechens einher.

6. Halluzinationen & Wahnvorstellungen
Dieses Symptom kann sich im Verlauf der Erkrankung verstärken. Zu Beginn sind es oft eher Bilder aus der Vergangenheit, die sich mit dem aktuellen Geschehen mischen (man glaubt zum Beispiel, in der Pflegerin die eigene Mutter zu erkennen). Wahnvorstellungen gehen noch weiter: Der Postbote unterschlägt zum Beispiel wichtige Briefe oder sonstige «wirre» Gedanken. Wichtig ist: nicht ignorieren, sondern ernst nehmen!

7. Sprachliche Schwierigkeiten
Worte werden vertauscht oder entfallen, Sätze werden unverständlich: Einschränkungen in der Sprache oder Probleme beim Folgen des Gesprächs deuten ebenfalls auf einen schleichenden Gedächtnisverlust hin.

8. Orientierungslosigkeit
Ihr Angehöriger findet sich auf einmal nicht mehr in der gewohnten Umgebung zurecht und ist überrascht, wenn Sie zur vereinbarten Zeit erscheinen. Oder er vergisst gehäuft, welcher Tag genau ist. Er könnte sogar in seiner eigenen Straße stehen und die Orientierung verloren haben. Räumliche und zeitliche Desorientierung ist ein verbreitetes Merkmal für Demenz im Frühstadium.

9. Probleme im Alltag
Komplexe Zusammenhänge werden nicht mehr erkannt, die vorher noch gut funktioniert haben. So klappen gewohnte Handlungen aus dem täglichen Leben nicht mehr. Das Einkaufen wird zur Herausforderung, und ein Taxi zu rufen wird zur unüberwindbaren Hürde. Achtung bei Gefahrenquellen: Bügeleisen werden nicht mehr ausgeschaltet, die Herdplatte bleibt an oder die Tür nicht abgeschlossen.

10. Abnehmende Aktivität
Viele Betroffene nehmen wahr, dass sie nicht mehr so leistungsfähig sind und versuchen dies zu verbergen. So schränken sie ihren Aktivitätsradius ein: Die Jassrunde wird abgesagt, weil der Weg zu den Bekannten zu schwierig wird, oder es werden immer wieder Angehörige um die Erledigung von Einkäufen gebeten, weil man es sich nicht mehr zutraut. Auch das Vorschieben von Ausreden gehört da oft mit dazu.


Wichtige Früherkennung
Stellen Sie an sich selber oder an einem Angehörigen Warnzeichen fest, die auf eine Demenz hindeuten, empfehlen wir Ihnen, sich bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt im Monvia Gesundheitszentrum anzumelden. Denn wie bei den meisten Krankheiten gilt auch bei der Demenz: Je früher erkannt, desto besser. Eine Früherkennung macht es möglich, nach der Ursache der Symptome zu suchen. Wo keine medizinische Heilung möglich ist, gibt es dennoch umfassende Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote, die eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bewirken. Für Betroffene, wie auch für deren Angehörige.

Vertiefte Informationen finden Sie auf der Webseite der Schweizerischen Alzheimervereinigung ALZ